01.03.2016

Ex- Bundesliga Schiri Lutz Wagner zu Gast

DJK DV Frühjahrstagung in Naurod

Am 27. Februar fand im WKH in Naurod die Frühjahrstagung unseres Diözesanverbandes statt, zu der Dieter Euler am Morgen knapp über 50 Vereinsvertreter unserer Vereine begrüßen konnte.

Am Vormittag tagten zunächst die Arbeitskreise Vorsitzende, Jugend, Frauen, Breitensport und Fußball.

Arbeitskreise 

Am Nachmittag der Herbsttagung standen zunächst die Berichte aus den Arbeitskreisen im Mittelpunkt. Hier ist insbesondere der aus dem Arbeitskreis Fußball interessant. Bei den Jugendturnieren (11.-12.Juni 2016) in Hattersheim haben sich erstaunliche 38 Jugendmannschaften, mit dann insgesamt 500-600 Jugendlichen angemeldet. Die Frauenfahrt führt 2016 nach Weilburg und in den Hessenpark.

Joachim Sattler berichtete über die Vorstandsaktivitäten und die Veranstaltungen seit der Herbsttagung u.a. das TT-Camp, das Vereinsmanagerwochenende, das Seniorensportwochenende oder die Familienskifreizeit, aber auch die Planungen der anstehenden Veranstaltungen wie dem LV-Wandertag, Die TT-Camps im Sommer und das Jugendwochenende im Juli.

Klaus Schäfer berichtete von der Abschlusstagung des DOSB-Projekt "Attraktives Ehrenamt" in Berlin an der er teilnahm. Die Ergebnisse und die Praxisbeispiele des Projektes werden Themen der Herbsttagung sein.

 

Referat Lutz Wagner  „Lange Hosen können von kurzen Hosen lernen“

Im Anschluss begrüßten wir Lutz Wagner zum Referat

Lutz Wagner (52) ehemaliger Bundesligaschiedsrichter mit mehr als 450 Spielen im Profibereich berät heute Führungskräfte.

 

Sein Thema bei der Frühjahrstagung war:

3-2-1 Entscheiden

  • Fair Play und Gerechtigkeit,
  • Ihre Rolle als Entscheider
  • Ungeschriebene Gesetze

 

Er beginnt mit den Thesen: „Lange Hosen können von kurzen Hosen lernen“, „Was sich in 90 Minuten bewährt, hat auch im Alltag seine Gültigkeit“ oder „Was vor und mit 80000 funktioniert klappt auch im kleinen Kreis“ und meint damit, dass viele seiner Erfahrungen vom Fußballplatz auch in andere Situationen übertragbar sind.

Seine Zielgruppe Führungskräfte müssten ihr Umfeld Beobachten und Analysieren, Es begleiten und Unterstützen und letztendlich Entscheiden und umsetzen. Hier führt er zahlreiche Beispiele aus seiner Fußballpraxis an, um diese Thesen zu stützen. Zum Beispiel in Vorbereitung und Analyse von Spielen wo er die Schlüsselspieler, als die Ansprechpartner ausmacht, und diese im Spiel immer wieder auch nutzt. Dabei sieht er den Schiedsrichter als den „Anwalt des Spiels“ Berufe die ihm nahekommen, seien Polizisten, Richter oder Sozialarbeiter.

Lutz Wagners Vortrag bei der Frühjahrstagung war einerseits lehrreich und auf der anderen Seite, wie einer der Teilnehmer bemerkte, „einer der rhetorisch besten Vorträge die wir in den letzten Jahren hatten!“

So stellte Wagner zum Thema Gerechtigkeit 8 Feststellungen auf:

  • Fußball ist höchst ungerecht
  • Es gibt keine absolute Gerechtigkeit, sondern ?
  • Es jedem Recht zu machen endet in Chaos
  • Gerechtigkeit ist oftmals brutal
  • Recht machen oder richtig machen
  • Gerechtigkeit ist oft subjektiv
  • Ausgleichende Gerechtigkeit ist oft wiederholtes Unrecht
  • Unvollkommene Gerechtigkeit ist die Chance auf Fairness

Schiedsrichter in der Bundesliga oder im internationalen Spielbetrieb hätten im Spiel gemessen etwa 0,7 Sekunden Zeit um ihre Entscheidung zu fällen.

Für die Fortbildung von Schiedsrichtern wären deshalb folgende Punkte zentral wichtig:

  • (SR) Verhalten in kritischen Situationen
  • richtige Form der (Spieler) Ansprache wählen
  • Vorgänge automatisieren
  • (Spiel) Ruhe sinnvoll nutzen
  • positive Außenwirkung erreichen
  • Körpersprache (Mimik, Gestik)
  • typgerechtes Verhalten (Fremd- u. Eigenbild)
  • Berechenbarkeit (Linie oder Konzession)

Für die erfolgreiche Spielleitung macht er nachfolgende Faktoren verantwortlich:

  • 20% (Regel) Kenntnis
  • 20% (körperliche) Fitness

(40% als Grundlagen) = beeinflussbar

  •  30% Erfahrungswerte
  • 30% psychologisches Einfühlungsvermögen (in Spiel und Spieler)

(60% SR Verhalten) = bedingt beeinflussbar

 

-       100% sind unerreichbar

-       wer versucht fehlerfrei zu sein, wird verzweifeln

-       ständiges Dazuzulernen muss das Bestreben sein

 

Drei Thesen dazu:

  • „Einen guten Entscheider erkennt man daran, wie gut er eine umstrittene Entscheidung verkauft.“
  • „Die Ware muss stimmen, die Verpackung aber auch.“
  • „Agieren statt Reagieren minimiert die Fehlerquote.“

Im Fußball wie im normalen Leben gäbe es, so Wagner, ungeschriebene Gesetze, die wir mehr oder weniger verinnerlicht haben sollten, um Richtig zu entscheiden und Fehler zu vermeiden.

  • Richtige Form der Vorbereitung, „Vorbereiten ohne Vorbelasten “.
  • Verständnis für die eigene Rolle, „Nicht emotionalisieren lassen“.
  • Authentizität ist entscheidend „Lieber ein nicht perfektes Original wie eine klasse Kopie“ .
  • Beachte die Außenwirkung, „Fokus & Verpackung“.
  • Verhältnis Distanz ? Nähe, „Wann muss ich hin wann bleib ich weg “.
  • Erkennen von Gruppenstrukturen, „Nimm den Richtige“.
  • Beachte die Signalwirkung, „Die Entscheidung ist die eine Seite die Signale nicht minder wichtig“.
  • Wichtigkeit des Teams, „Denke an die N.N.“
  • Agieren statt Reagieren, „Halt das Drehbuch in der Hand“.
  • Keine Angst vor Fehlern, „Lieber falsch wie gar nicht entscheiden “.
  • Automatisieren hat Priorität, „Freiräume schaffen für unerwartetes“.
  • Vorsicht vor Konzession, „Zeitgerechtes Aufarbeiten ist wichtig“.
  • Entschlossenheit zeigen, „Nimm die erste Chance“.
  • Akzeptanz generieren, „In den kleinen Dingen?“.
  • Vorsicht vor „Abnutzung“, „Keine Entscheidung ohne Notwendigkeit“.
  • Gesunder Egoismus ist erlaubt, „Im Zweifelsfall auch mal an sich denken“.
  • Kommunikation, „Wählen sie die richtige Sprache“.
  • Respekt, „Ehrliche Anteilnahme oder Anerkennung“.

 

Fazit des Vortrages ist, er war einerseits lehrreich und unterhaltend und andererseits gab Lutz Wagner uns einen guten Einblick in die Welt der Schiedsrichter als „Führungskraft und Entscheider“ auf dem Spielfeld.

Monika Kaiser dankte Lutz Wagner im Namen des DV Vorstandes für seinen sehr gelungenen Vortrag, bevor Dieter Euler die Frühjahrstagung schloss und zum anschließenden Gottesdienst mit Pfarrer Waldeck einlud.

Joachim Sattler

DJK Diözesanverband Limburg

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