14.12.2016
Stellungnahme zur Leistungssportreform
Sport um der Menschen willen ? Stellungnahme zu den Vorschlägen zu Strukturreformen der Spitzensportförderung in Deutschland
Die Vollversammlung Kirche und Sport befasste sich bei ihrer Versammlung unter anderem mit der viel diskutierten Strukturreform der Spitzensportförderung in Deutschland und hat große Befürchtungen, dass die geplante Strukturreform:
mit der Computeranalyse „PotAS“ (Potentialanalysesystem),
der Konzentration auf „Zukunftspotentiale“, der medaillenorientierten Förderung
und der Förderung nur für erfolgreiche Sportarten von falschen Prämissen ausgeht.
Die alleinige Fixierung auf Medaillen und Medaillenspiegel führt nach unserer Meinung in die falsche Richtung. Hier steht eindeutig nicht der Athlet im Fokus.
Spitzensportförderung darf nicht nur die Medaillenausbeute als Kriterium der Förderung zu Grunde legen. Kriterien müssen der faire und dopingfreie Sport sein, gekoppelt mit einem aufrichtigen Bekenntnis hierzu seitens der Spitzenverbände. Nicht „Sport um der Medaillen willen“ sondern „Sport um der Menschen willen“ sollte im Mittelpunkt der Spitzensportförderung stehen. Wir appellieren hier an die ethische Verantwortung des DOSB bei der Zuteilung der Mittel.
Die Verbände des deutschen Sportes und die politischen Vertreter sehen wir in der Verantwortung, sich weltweit für die Bekämpfung von Dopingpraktiken einzusetzen und Dopingsünder und Nationen mit nachweislich staatlich gesteuerter Dopingpraxis langfristig aus den Wettbewerben auszuschließen, um hier eine glaubwürdige Abschreckung zu schaffen. Der ausschließliche Blick auf den Medaillenspiegel kann auch einen Nationalismus stärken, den wir nicht wollen.
Fairer Wettbewerb muss das Ziel sein - nicht Medaillen um jeden Preis und auf Kosten der Vielfalt im Sport. Diese Vielfalt ist wichtig und nicht die alleinige Fixierung auf eine Medaillenausbeute als „Ertrag der Sportförderung“.
Zum Sport gehört Gewinnen zu wollen. Die Freude über Medaillen gehört ebenso zum Sport wie das Verlieren können. Die ausschließliche Ausrichtung auf Medaillen birgt die Gefahr von Doping und die Missachtung derer, die trotz grandioser Leistung keine Medaille erringen.
Athleten, die in internationalen Wettbewerben gegeneinander antreten, haben eine besondere Vorbildfunktion. Sie sind Leitbilder und prägen die Einstellung zum Sport. Wir unterstützen den mündigen Athleten, der seine Meinung sagt, mit entscheidet in demokratischen Prozessen und auch sein eigenes Training mitsteuert.
Die katholische Vollversammlung Kirche und Sport appelliert daher an die Entscheidungsträger in DOSB und Innenministerium, diese Bedenken in ihre Entscheidung mit einfließen zu lassen zum Wohl der Athleten, die sich im fairen Wettkampf messen wollen. Für sie wollen wir auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes eintreten.
Beschlossen bei der Vollversammlung des Arbeitskreises Kirche und Sport in der Katholischen Kirche Deutschlands vom 21.bis 22.November 2016 in Frankfurt.